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Frauenhaus Bukarest

Frauenhaus Bukarest – Reisebericht zur Rumänienreise 2010

Published on 12. Juli 2010 under Frauenhaus Bukarest

Reisebericht zur Rumänienreise ins Frauenhaus Bukarest

Reisezeitraum:
10.-12. Juli 2010

Teilnehmer:
Stiftungsvorstand Helmut Rahm
Stiftungsrat Hans Gegenmantel
Petra Zimmermann (Geschäftsstelle)

Bericht von Petra Zimmermann

Anlass unserer Rumänienreise ins Frauenhaus Bukarest war ein Hilferuf des Ordens von Congregatio Jesu (Maria-Ward-Schwestern) aus Bukarest. Herr Wolfgang Kierdorf, ein Unternehmer aus Graben-Neudorf, leistet seit 1992 aktive Rumänienhilfe und hat den Kontakt zum Orden hergestellt. Somit waren die Ordensschwestern unsere Ansprechpartner vor Ort.

Die Situation von Frauen und Kindern verschlechtert sich in Rumänien zusehends. Arbeitslosigkeit und Alkoholprobleme bringen die Familien in hoffnungslose Situationen. In der Praxis sieht es so aus, dass das wenige Geld, welches der Familie zur Verfügung steht, oftmals vom Mann „vertrunken“ wird. Häusliche Gewalt an Frauen und Kinder werden massiv und es stellt sich immer häufiger die Frage, wenn es für Frauen und Kinder nicht mehr auszuhalten ist bzw. das Leben bedroht ist – WOHIN??
Der Staat bietet kaum finanzielle Unterstützung, Arbeit mit Kindern lässt sich nur selten finden und die Besitzer von Wohnungen vermieten in der Regel nicht an Frauen, die ihren Mann verlassen und aufgrund häuslicher Gewalt das Weite gesucht haben.

Wir haben in diesen drei Tagen im Frauenhaus Bukarest, begleitet durch die Ordensschwestern einige Streifzüge in und um Bukarest unternommen. Wir lernten Familien kennen, in denen der Mann von den drei kleinen Zimmern (durchschnittlich 10 m²!) das größte für sich alleine beansprucht und der Rest der Familie, bestehend aus Mutter, Großmutter und acht Kinder, in den zwei verbleibenden Zimmern leben müssen – und obendrein bekommen sie nichts vom Lohn des Ehemannes und Vaters ab.

Oder eine junge Frau, die vom Ehemann aus Eifersucht und voller Aggressionen halb tot geschlagen und dann bei der Mutter „abgeladen“ wurde.

Menschenhandel und Prostitution, obwohl in Rumänien strafbar, sind an der Tagesordnung.
Da stellt sich uns schon die Frage: Wie kann man so (über)leben?

Frauenhäuser sind in Rumänien rar (im Stadt- und Landgebiet von Bukarest gibt es nur zwei) und die Auflagen, um dort überhaupt Unterschlupf zu finden, sind umso höher. Und in der Regel ist es den Frauen mit ihren Kindern auch nur möglich, ca. zwei Monate dort zu bleiben. Aber wer schafft es schon nach zwei Monaten Verbleib in einem Frauenhaus eine Arbeit, eine Wohnung und dazu noch Kinderbetreuung zu finden?

Wir konnten auch ein Projekt, finanziert durch eine amerikanische Stiftung, besichtigen, in dem die Frauen erst einmal ankommen, sich erholen und ihr Trauma etwas verarbeiten können. Sie haben die Möglichkeit, sich um ihre Kinder zu kümmern, ihr Leben wieder etwas zu ordnen und dann weiterschauen, wie ihr Leben weitergeht mit Unterstützung von Fachkräften.
Ein ähnliches Projekt möchten wir, die ascent Stiftung, in Zusammenarbeit mit den Maria-Ward-Schwestern des Orden Congregatio Jesu auch aufbauen.

Die Warteliste der Frauen mit Kindern, die in Rumänien in ihrer Verzweiflung Hilfe und ein Zuhause suchen, ist groß!
Unsere konkreten Pläne sind, mit Unterstützung des Ordens, in Bukarest ein geeignetes Haus anzumieten, in dem wir Frauen und Kinder aus häuslicher Gewalt eine Perspektive geben wollen.
Wir wollen ihnen aufzeigen, dass es noch etwas gibt, für das es sich lohnt weiterzuleben.

Dabei ist es wichtig, dass die Frauen ein sicheres und anonymes Zuhause erhalten, wenigstens so lange, bis ihre Scheidung ausgesprochen und ihr Leben neu geregelt ist. Ein Zuhause, das die Männer nicht kennen und somit auch keine Möglichkeit haben, ihre Frauen mit Gewalt zurückzuholen.

Bei unseren Gesprächen mit betroffenen Frauen und Kindern im Frauenhaus Bukarest haben wir von allen gehört, dass sie unter keinen Umständen mehr Kontakt zu dem Mann bzw. Vater haben wollen – die geschlagenen Wunden sind zu groß.

 

Bilder und Impressionen vom Besuch im Frauenhaus Bukarest hier:

ascent Stiftung ascent Stiftung ascent Stiftung ascent Stiftung Frauenhaus in Bukarest

 

Karlsruhe, 19. Juli 2010

 

 

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