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Klinikclown Dodo

Dodo stellt sich vor…

Published on 27. Juli 2015 under Klinikclown Dodo

Artikel aus der Klinikzeitung des Städtisches Klinikum, Karlsruhe

 

Es ist Mittwoch in der Kinderklinik Karlsruhe.

In einem Patientenzimmer im Zentrum für Kinder und Frauen klopft es an der Tür. Ein buntes Gesicht mit roter Nase und einer Melone auf dem Kopf schiebt sich durch den Türspalt: „Hallo, ich bin Dodo der Clown. Ich komme Mittwochs hier die Kinder besuchen, darf ich reinkommen ?“

So beginnen für mich seit über einem Jahr die Arbeitseinsätze der besonderen Art. Zwar bin ich schon fast 15 Jahre im Klinikum Karlsruhe beschäftigt doch seit Juni letzten Jahres hat der Mittwoch eine besondere Bedeutung. An diesem Tag bin ich im Auftrag des „Verein Sonnenschein Kinderklinik Karlsruhe e.V.“ als Klinik-Clown unterwegs.

Ich besuche ab 10 Uhr morgens möglichst alle Kinder ab ca. 2 Jahren deren Gesundheitszustand einen Clown-Besuch zuläßt. Beginnend auf der onkologischen Station führt mich mein Weg über die Inneren und Chirurgischen Stationen weiter zur hämatologisch-onkologischen Ambulanz und abschließend auf die Infekt-Station.

Der erste Weg auf jeder Pflege-Einheit führt mich ins Dienstzimmer. Eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Schwestern und Ärzten ist für eine gute Clownarbeit sehr wichtig. In kurzen Gesprächen informiere ich mich über den Zustand der kleinen Patienten über Besonderheiten, aktuelle Probleme und Krankheitsverläufe.

Bis zu 60 Kinder begegnen mir auf dem Weg durch die Klinik und in der großen braunen Zaubertasche ist fast für jeden was dabei. Ob nun jongliert oder gezaubert wird, die Handpuppe oder die Seifenblasen zum Einsatz kommen, aus bunten Luftballons Tiere werden oder einfach „nur“ eine Hand gehalten wird. Oberstes Ziel ist es die kleinen Patienten für Augenblicke aus dem Klinik-Alltag zu entführen und etwas anderes als ihre Krankheit in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen. Intensität des Spiels, Nähe und Distanz bestimmt dabei immer das Kind.

Wie wird man Klinik-Clown?

Man kann sich nicht einfach eine rote Nase ins Gesicht setzen, und los geht’s. Bei mir hat das Interesse für die Figur des Clowns schon in den frühen 90er Jahren angefangen. So habe ich mehrere Clown-Anfängerkurse an verschiedenen Instituten besucht. An anderen Sparten der Kleinkunst war ich ebenfalls interessiert. Ich besuchte Zirkus-, Jonglage- und Puppenspieler-Seminare und entdeckte eine Vorliebe für Kinderzauberei. Der entscheidende Schritt war jedoch die Teilnahme an einer Fortbildung zum Klinik-Clown an der Schule für Tanz, Clown und Theater (TUT) Hannover. Hier fand ich neben einer Möglichkeit die verschiedensten Spielarten der Gauklerkunst, auch ein Forum, das meine langjährige Erfahrung in der Krankenpflege mit der Clownerie verbindet.

Nachdem ich die Fortbildung beim TUT abgeschlossen hatte wurde der „Verein Sonnenschein“ auf mich aufmerksam. Nach einer Probezeit wurde ich als Klinik-Clown engagiert und bin seit dem letzen Sommer auf den Stationen immer mittwochs unterwegs. Doch die Figur des Clowns bedarf ständiger Entwicklung. So bin ich zur Zeit an der Clownschule in Hannover in einer dreijährigen berufsbegleitenden Ausbildung „Clown Komedie und Schauspiel“. Zudem habe ich regelmäßig Unterricht bei einem Profizauberer und lerne Ukulele, um auch ein wenig Musik in mein Repertoire einbauen zu können.

Mein neuer Job ist kein Kinderspiel. Er bedeutet nicht selten sechs bis sieben Stunden Aufmerksamkeit, Einfühlungsvermögen, Wachsamkeit gekoppelt damit nonstop mit Humor, Verspieltheit und Lebensfreude im Fokus zu stehen. Das ist sehr viel mehr als „… ein wenig den Kasper zu machen…“. Doch ist es eine schöne, oft tief bewegende Aufgabe an der mein ganzes Herz hängt.

Im Sinne Heinrich Bölls: „…ich bin ein Clown und sammle (und verschenke*) Augenblicke“.

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