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Aktuelles

Dienstreise vom 21.10. bis 24.10.2017 nach Bukarest

Published on 26. September 2018 under Aktuelles

Aktuell leben nur zwei Frauen und zwei Kinder im Frauenhaus. Es stehen einige auf der Warteliste, in allernächster Zeit werden neue Frauen und Kinder wieder aufgenommen. Es wird nach Dringlichkeit geprüft.

Es standen verschiedene Besuche an:

  1. Gleich nach meiner Ankunft fuhren wir zur Einweihung in die neuen Räumlichkeiten der psychologischen Beratungsstelle. Hellere größere Räume bieten eine vertrauensvolle Umgebung, damit sich Frauen und Kinder im Gespräch überhaupt öffnen.
     

     

  2. Wir besuchten Maria mit ihren Kindern Madalina und Alex. Maria lebte früher im Frauenhaus; sie hatte große Schwierigkeiten, sich dort anzupassen und zog dann wieder aus. Sie hat nach wie vor einen guten Kontakt zum Kloster und zu Sr. Adina und bittet dort um Hilfe, wenn es dringend nötig ist. Ich habe schon verschiedene Unterkünfte von Maria miterlebt, jetzt lebt sie in einer ca. 30 qm großen Wohnung. Im Vergleich zu ihren bisherigen Wohnungen ist das purer Luxus, obwohl die Wohnung feucht ist, es gibt keine Heizung, doch sie hat die Möglichkeit zu kochen. Alex hat TB und das Raumklima ist sicherlich nicht gesundheitsfördernd. Er ist minderbegabt und nicht kleinwüchsig wie seine Mutter. Madalina ist gut in der Schule, doch psychisch sehr gestört. Mehrfach ging sie schon mit körperlicher Gewalt gegen ihre Mutter und gegen Alex vor. Wutausbrüche sind an der Tagesordnung und Gegenstände fliegen durch die Wohnung. Da Maria ein sehr unstetes Leben hat, viel umzieht, keine klaren Strukturen hat, wirkt sich dies sehr auf das Kind aus. Sie geht zur Therapie mit ihr – mit nur bedingtem Erfolg.
     

     

  3. Fahrt nach Constanta zur Familie von Lilly, 38 Jahre und ihrer Familie, vier Kindern im Alter von 12,11, 9 und 5 Jahren, David. David ist das gemeinsame Kind, mehrfachbehindert. (starke Veränderungen am Rückgrat und deformierte Füße, die nicht zu operieren sind.) David wird nie laufen können, die Mutter trägt in umher, er ist ein untergewichtiges, schmales Kind. Lilly hat zwei Kinder aus ihrer vorherigen Ehe, sie verließ ihren Ehemann wegen häuslicher Gewalt. Ihr jetziger Ehemann wurde von seiner Frau verlassen, sie ließ die zwei Kinder bei ihm. Er fand Lilly, sie heirateten und bekamen ein gemeinsames Kind, David.
    Der Ehemann ist für einige Monate nach Spanien zur Orangenernte bei seiner Schwester, um Geld zu verdienen. D.h. sie ist über Monate recht abgeschieden von der Außenwelt und mit den Kindern alleine. Die Familie wohnt wirklich im „Niemandsland“ in einem recht baufälligen Haus. Das Haus soll verkauft werden, die Familie möchte das gerne erwerben, doch bürokratisch sieht das derzeit sehr schlecht aus, zumal es finanziell für die Familie wohl auch nicht zu schaffen ist.
     

     
    Ihr Ehemann hat auch nur eine unregelmäßige Arbeit, weil sie mit David oft im Krankenhaus ist; der Ehemann betreut die Kinder dann.Sie haben Angst das Haus zu verlieren, erziehen ihre Kinder sehr ordentlich, es ist ein geordnetes Familienleben, Kinder wohlerzogen, regelmäßige Schulbesuche, doch am absoluten Limit zum Überleben.
     

  4. Weiterfahrt zum Elternhaus eines jungen Mädchens, die ein Opfer des Menschenhandels war. Sie wurde im Ausland als Hilfe im Haushalt eingestellt, man kündigte ihr die Arbeit, sie hatte kein Geld für die Wohnung, in der sie gemeinsam mit Freund lebte. Auf dieser Schiene wurde sie systematisch zur Prostitution gezwungen.Per Zufall kam sie an ein handy und konnte ihre Mutter in Rumänien verständigen, wo sie sich grad aufhielt. Eine einfache Frau vom Lande schaffte es,Botschaft und Polizei zu aktivieren, damit ihre Tochter dort aus den Händen des Menschenhandels befreit wurde. Nur eine Aussage der jungen Frau kann dazu führen, dass diese Täter verurteilt werden.Diese Familie lebt in Angst vor den Konsequenzen der Aussage, der Bruder der jungen Frau bedarf dringend einer Therapie, wo noch Sponsoren gesucht werden.
     

     

Es war eine intensive Zeit, viele Gespräche wurden geführt, viele Eindrücke und wie immer kehre ich mit den Gedanken zurück, hier ist Handlungsbedarf angesagt, hier sind wir richtig.

Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an diejenigen, die uns bei dieser Arbeit immer wieder unterstützen, sei es durch die monatlichen regelmäßigen Einzugsermäßigungen, sonstige Spenden, Hilfe bei der Kleidersammlung…..
auch die Ordensschwestern vom Orden Maria Ward leisten eine hervorragende Arbeit im Frauenhaus. Auch hier ein herzliches Vergelt`s Gott.

Ich weiß, wir können nicht die ganze Welt retten, doch wenn wir nur einzelne erreichen, dann macht das ganze Sinn.

Petra Zimmermann, Oktober 2017
Geschäftsstelle der ascent Stiftung